Rezepte aus unserer Region zum selber kochen.
Heute:
Hoorische (auch: "Geriwwelde") sind längliche Klöße aus rohen Kartoffeln. Sie werden meistens mit Specksahnesoße und Sauerkraut gegessen.
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(für 5-6 Personen)
5 kg rohe Kartoffeln
3/4 kg gekochte Kartoffeln
2 Eier
Mehl (Type 405)
Meersalz oder Salz aus der Mühle
frisch gemahlener, schwarzer oder weißer Pfeffer Zubereitung
Die rohen Kartoffeln schälen, waschen und fein reiben. Danach abtropfen lassen und mit einem Küchentuch sorgfältig ausdrücken.
Die gekochten Kartoffeln erkalten lassen und pellen. Danach entweder reiben oder durch einen Fleischwolf drehen. Beides mit den zwei Eiern, einer Prise Salz und Pfeffer vermengen. Mehl
untermischen, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Aus dem Teig längliche Klöße formen und in siedendem Salzwasser garen lassen. Wenn die Klöße an der Oberfläche schwimmen, ca. 2-3 min.
ziehen lassen.
Tipp: Als Beilagen dienen Salat oder Sauerkraut.
Hoorische sind nichts anderes als Gefillde ohne Fleisch - in eine längliche Form gebracht. Oft machte man Hoorische, wenn das Fleisch für Gefillde nicht ausreichte.
Man muss kein Sexist sein, um die Bedeutung des Wortes zu verstehen. Es hat nichts zu tun mit der saarländischen Aussprache des Plurals des Familiennamens von Ludwig Harig. Der Begriff Hoorische übersetzt eine durch das Phallische der Form entstehende Assoziation ins Volkstümliche, ähnlich wie ein zweites Wort für Hoorische, nämlich "Stracke" (Man kann das auch weniger vornehm, dafür aber - in der lutherischen Sprachtradition - verständlicher ausdrücken...). Wobei "strack" im Saarland auch "sinnlos betrunken" und "faul" bedeuten kann.
Im Dritten Reich wurden die Assoziationen zu den primären männlichen Geschlechtsorganen fortgesetzt im Rahmen der Diskriminierung der jüdischen Mitbürger. In Anspielung auf die jüdischen Beschneidungsrituale nannte man die "Hoorische" auch "Juddeschwänz". Die Retourkutsche nahm Bezug auf die bisweilen bevorzugte runde Form (etwa so gross wie ein Golfball). Sie lautete: "Nonneferz". Die Vermutung liegt nahe, dass diese sprachlichen Auseinandersetzungen zwar geprägt waren von Vorurteilen, dass ihnen aber (noch) die massenmörderische Ernsthaftigkeit fehlte, die den Holocaust definierte.
Kerschdscher sind Bratkartoffeln. Im Saarland gebraucht man die Verkleinerungsform als eine Art der liebevollen Verehrung. Die etymologische Reihe beginnt bei der Kruste, die durch den heissen Kontakt des Kartoffelwürfels mit dem Fett entsteht. Dann gibt es einen "Dreher": Aus "Kruste" wird "Kurste". Das alles wird ebenso vornehm wie populär ins Saarländische transportiert. Dazu der saarländische Plural "scher", und aus Krüstchen werden Kerschdscher.
Kartoffeln zählen zu den wertvollsten Lebensmitteln überhaupt. Da sie preiswert sind, waren sie auch bei den saarländischen Bergleuten und Hüttenarbeitern sehr populär. Sie lieferten Vitamine, man kellerte sie ein, es gab Kartoffelferien, sie füllten die Mägen und sie schmeckten auch gut. Die Bergleute machten sogar in den Schlafhäusern ihre Kerschdscher auf der "Brumms", und dazu gab es Lyoner und Bier. Gusseiserne Bräter passten sowohl zur Industrielandschaft wie zum kulinarischen Ambiente. Veredelungen waren Ehrensache: grobes Salz, jungen Lauch, feingehackte Zwiebeln, Dörrfleisch, Pfeffer und - als vorgezogene Ketchup-Alternative - Senf.
Der Bexbacher Allround-Musiker Hugo Baschab schwärmt in einem seiner Lieder von "Saarländische Kerschdscher. Und dann reimt sich - schon fast programmatisch für den Umgang der Saarländer mit Kulinarischem - den Wort "Genuss" auf "Kuss". Sie sind und bleiben die alt-saarländische Alternative zu Pommes.